Archives for Back To Turkey

Wachsende Islamophobie wird Anzahl Rückkehrer erhöhen

Das ist zumindest meine Vermutung. Und das selbst bei denjenigen, die vorher sich keine Rückkehr vorstellen konnten.

Ich sehe vor allem Potenzial bei den 45-55 Jährigen, die in der Türkei demnächst oder in absehbarer Zeit das Rentenalter erreichen und bei denen sich die Frage nach dem Lebensunterhalt nicht mehr stellt. Sie besitzen in der Regel einen starken Bezug zur ihrer Religion. Wer dann noch ein Eigenheim sein eigen nennen kann, für den gibt es eigentlich keinen Grund, nicht zurückzukehren.
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Back To Turkey: Halil genießt jetzt sein Bio-Gemüse

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Halil kam Anfang der 80er mit 11 Jahren nach Deutschland. Er heiratete hier und bekam zwei Töchter und einen Sohn. Im September 2012 beschloss die ganze Familie Deutschland den Rücken zu kehren und sich in der Heimat niederzulassen. Dank eines aufmerksamen Lesers bekam ich die Gelegenheit, mit Halil ein wenig zu plaudern.
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Back To Turkey: Naim Okur sollte zurück in die Türkei

In den ersten vier Geschichten berichtete ich über Rückkehrer und Rückkehrwillige. Heute geht es um einen Mann, der nach meiner Meinung nach, zurückkehren sollte. Sein Name: Naim Okur.
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Back To Turkey: Vor 6 Jahren zurück und nicht bereut

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Back To TurkeyAylin Perisoğlu war Mitte 20, als sie beschloss zu heiraten und ab dann in Istanbul zu leben. Sie gehört damit zu einer Generation, die den umgekehrten Weg gewählt hat. Nicht heiraten und dann nach Deutschland einwandern, sondern auswandern.
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Back To Turkey: Suzan Ölçer will endlich 5x am Tag Ezan

Back To Turkey Nach den zwei Stories über zwei Rückkehrer nun die Geschichte der rückkehrwilligen jungen Mutter Suzan Ölçer.

Seit 3-4 Jahren spielt Suzan bereits mit dem Gedanken, in die Türkei auszuwandern. Hätte man ihr noch vor 15 Jahren gesagt, dass sie irgendwann einmal ernsthaft „Rückkehrabsichten“ haben würde, hätte sie wohl diejenigen für verrückt erklärt.

Auch ihren Ehemann erklärte sie für verrückt, als dieser in eine Immobilie in der Heimat investierte. Heute ist sie im dankbar dafür.

Der Plan

Der Plan der Ölçers sieht wie folgt aus: Suzan und die zwei Söhne im Alter von 15 und 11 ziehen im August 2015 komplett in die zentralanatolische Stadt Kayseri. Der Ehemann wird zunächst noch in Deutschland bleiben und die Familie finanziell unterstüzten.

Alles scheint bei Suzan exakt durchgeplant. Der ältere Sohn kommt auf eine Privatschule, der jüngere erst einmal auf eine Staatsschule. Sollten die finanziellen Mittel ausreichen, ist auch der Wechsel des Juniors auf eine Privatschule denkbar.

Der Deutschtest

Suazn arbeitet konsequent an ihrer Zukunft in der Türkei. Vergangen Sonntag kehrte die junge Frau aus Istanbul zurück. Dort nahm sie an einem Deutschtest des Niveaus B2 teil. Ein Kinderspiel für die Muttersprachler. Für den ersten schriftlichen Test brauchte sie gerade einmal 20 Minuten. Angesetzt waren 90 Minuten.

Der Testtag begann um 09:30 Uhr und war um 16:30 Uhr beendet. „Mit sehr ausgiebigen Pausen“, merkt Suazn an. In der Türkei geht halt alles etwas lockerer zu.

Die Ergebnisse des 110 € Tests erhält sie in den kommenden Tagen. Ihre Prüfer ermutigten sie, auch die C1-Prüfung zu machen. Den will sie gerne machen, jedoch erst nach dem Umzug.

Der Job

Die Prüfer haben ihr auch gleich angeboten, in Istanbul zu bleiben. Mit ihren Deutschkenntnissen würde sie schnell Arbeit finden. Suzan zeiht es jedoch in die Heimatstadt.

Aber auch dort winkt eine Bekannte bereits mit einem Job an einer Sprachschule. 1.200 TL + Mittagessen + Fahrdienst scheinen ihr wohl sicher.

Die Vorfreude

Natürlich ist nicht jeder mit der Entscheidung Suzans glücklich. Doch sie will es durchziehen und endlich 5x am Tag den Ezan hören. Live und mit der Gänsehaut, wenn der Muezzin ruft.

„Vieles hat sich in den letzten Jahren zum Guten gewendet“, kommentiert sie. Sie kann sich noch sehr gut an das Gesundheitssystem der Türkei in ihrer Jugend erinnern. „Unsere Generation nimmt alles viel klarer war“, fügt sie hinzu. Daher hat diese auch keine Angst davor, einen Neustart in einem Land zu beginnen, das sie zuvor nur aus dem Urlaub kannte.

Die Türkei tut Suazn einfach gut. Und warum sollte sie nicht dort leben, wo es ihr gut geht?

Back To Turkey: Gülden Onur & der richtige Zeitpunkt

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Nie richtig wohlgefühlt in Deutschland

Back To TurkeyIm Gegensatz zu Ersin aus unserer ersten „Back To Turkey“ Geschichte, der fast sein ganzes Leben in Deutschland verbracht hat, kam Gülden erst 2006 nach Deutschland. Nachdem sie einen Deutschtürken heiratete.

Am Anfang war alles noch neu und spannend. Auch wenn das ständige Grau Deutschlands nervte. Nach kurzer Zeit zog das Paar in eine Gegend mit Wald und Wiese vor der Haustür. Das Grün und die frische Luft ließ ihr das Heimweh zur Schwarzmeerküste etwas vergessen.

Ein Jahr später kam dann die Tochter Feyza auf die Welt und weitere drei Jahre später der Sohn Yunus. Das Familienglück war eigentlich perfekt. Wenn da nicht das Heimweh und der graue Alltag Deutschlands wäre.

Die fehlende soziale Komponente

Immer wieder beklagte Gülden die fehlende soziale Komponente in ihrem Leben. Außerhalb der Familie hatte sie es schwer, Fuß zu fassen, sich eine Umfeld an neuen Freunden aufzubauen. Zwar waren da die Mütter aus dem Kindergarten. Aber das soziale Leben, dass sie aus der Türkei gewohnt war, fehlte hier.

„Dort ist Leben. Auch nachts um 23 Uhr“, berichtet die junge Mutter. Im Gegensatz dazu sind die Straßen leer. Im Winter gar um 18 Uhr.

Der richtige Zeitpunkt

Die Familie spielte vielleicht 2011 schon mit dem Gedanken der Rückkehr. Doch die Unsicherheit, die Risiken führten immer wieder zu einer Verschiebung.

Erst als die Familie beschloss, sich in der Heimat ein kleines Häuschen zu bauen, nahmen die Pläne konkrete Züge an. Kleine leichte Aufgabe. Es wurde viel gespart, Güldens Schmuck verwertet.

Ein Datum gab es dann, dass sich die Familie als letzten Zeitpunkt gab: Die Einschuldung der Tochter im September 2013. Wenn, dann musste die Rückkehr bis dann erledigt sein.

Die Rückkehr

Tatsächlich zog Familie Onur die Rückkehr dann auch durch. Manchmal muss man „die Schiffe hinter sich eben abfackeln“ besagt ein türkisches Sprichwort.

Nicht alle Familienmitglieder kehrten jedoch gleich zurück. Der Ehemann von Gülden blieb erst einmal in Deutschland. Die Anmeldungen aller anderen Familienmitglieder wurden abgemeldet. Gülden und ihre zwei Kinder leben nun endgültig an der Schwarzmeerküste.

Mein Besuch bei der Familie

15 Monate nach der Rückkehr besuchte ich die Familie in ihrer neuen Wahlheimat. „Die Kinder vermissen Deutschland kein bisschen“, berichtee mir Gülden. „Sie denken gar nicht mehr daran“. Ich fragte sie, ob sie Deutschland vermisse.

Den Frischkäse und die Schokolade ja. Das Land selbst nicht.

Gülden hat m.E. ein stressigeres Leben in der Türkei. Aber das scheint ihr nichts auszumachen. Sie hat nämlich ihre Familie um sich. Und die können einem den Arbeitsstress ein wenig abnehmen.

Auf meine Frage, ob sie den Entschluss bereut habe, sagt sie:

Im letzten Jahr meiner Zeit in Deutschland hatte ich angefangen, mir ein neues Umfeld aufzubauen. Da war aber schon der Entschluss gefasst. Bereut habe ich diesen nie und empfehle es jedem, mir gleichzutun.

Mittlerweile ist auch das Häuschen der Familie fertig und Gülden ist mit ihren Kindern eingezogen. So schrieb man mir zumindest im letzten Monat.

Back To Turkey: Ersin Yaner & die Rückkehr mit 3 Kindern

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Ein unerfülltes Leben in Deutschland

Ersin Yaner ist 40 Jahre alt. Ich kenne ihn seit Anfang der 90er aus dem gemeinsamen Vereinssport. Ein symphatischer, freundlicher und warmherziger Mann.

Er war als Unternehmer tätig und führte nacheinader erst einen Kiosk, dann eine Autowaschanlage und hiernach einen Dönerladen. Die Geschäfte schienen gut zu laufen. Dennoch zeichnete sich schon ab, dass Ersin nicht ganz zufrieden war. Er suchte anscheinend nach dem Sinn seines Lebens.

Ich traf Ersin ab und zu auf der Straße. Er war gewohnt warmherzig und lächelte stets. Sein herzliches „gardaşım‘ war sehr machte ihn sehr symphatisch.

2010 traf ich ihn auf dem Düsseldorfer Flughafen, als ich meine Eltern gen Mekka verabschiedete. Auch Ersin war da. Ich fragte, wer aus seiner Familie fliegen würde. Er antwortete: „Ich selbst.“

Die Zeichen zur Rückkehr

Zu Beginn des Jahres munkelte man, dass Ersin seinen Dönerladen verkaufen würde. Ich dachte, er würde ein neues Abenteuer suchen oder hätte eine neue Idee.

Ofensichtlich waren seine Absichten jedoch andere.

Die Rückkehr

Als ich vor einigen Wochen einigen Leuten von meiner Idee erzählte, eine Rubrik namens „Back To Turkey“ eröffnen zu wollen, sagte mir ein Freund: „Ach übrigens, der Ersin hat den Schritt schon hinter sich.“

Das war die Gelegenheit ihn per Facebook zu kontaktieren. Er bestätigte mir, dass seine Frau und seine drei Kinder nun mitten in Anatolien leben würden. In einer der aufblühenden Städte im Herzen der Türkei. Er selbst pendelt noch öfter hin und her. Vermutlich hat er seine Verbindungen noch nicht ganz abgebrochen.

Unsere Sorge: Die Kinder

Ich wusste, dass Ersin Kinder hat. Eine der größten Sorgen rückkehrwilliger, es aber dann doch nicht wagender Eltern, sind die Kinder. Kriegen sie dort eine gute Ausbildung? Ist die Ausbildung hier nicht viel besser?

Dazu zwei Sachen:

  1. Sehe ich nicht unbedingt, dass die Jugend von heute es hier viel einfacher hat als wir.
  2. Die Ergebnisse der Pisa-Studie zeigen, dass Deutschland regelmäßig auf den untersten Reihen zu finden ist. Als Grund werden hier auch das schlechte Abschneiden der Migrantenkinder gesehen.
  3. Sind Eltern heutzutage – wie es Pädagoge formulier – nur noch auf die Ausbildung der Kinder fixiert. Nicht jedoch auf ihre Erziehung, von der die Ausbildung nur einen Teil darstellt.

Das Kind soll es einmal besser haben. Und das bedeutet vor allem studieren, viel Geld verdienen, möglichst viel Besitz haben. Ob die dabei Anstand haben, ist zunächst einmal nebensächlich.

Die Kinder von Ersin sind 8, 12 und 14. Für viele wohl ein „No-Go-Alter“. Ich abe Ersin gefragt, was die Kinder machen und ob sie Adaptionsprobleme hätten. Er verneinte. Der Jüngste geht in die Grundschule, die beiden Älteren sind wohl auf einem Internat einer Glaubensgruppe.

Offensichtlich sieht die Familie Yaner die Zukunft ihrer Kinder eher als Religionslehrer als normale Lehrer. Jedem wie er will. Ich wäre der letzte, der sich da einmischen würde.

Fazit

Ersin hat den Schritt gewagt. Zu bereuen scheinen sie es nicht. „Die Kinder haben sich schnell eingelebt“, schreibt er. Ich bin mir sicher, dass Ersin mit seinem unternehmerischen Ehrgeiz bald auch dort eine profitable Nische finden wird. Das Wissen bringt er zumindest mit.