Turkuaz Kart: Die Türkei holt sich ihre Elite zurück

Nach dem Militärputsch vom 12.09.1980 und dem vom 28.02.1997 vertrieb es viele Türken ins Ausland. Insbesondere die Denker, die Akademiker und Wissenschaftler. So absolvierten diese Menschen ihr Studium oder ihre Promotion im Ausland, da sie aufgrund ihrer politischen Gesinnung oder ihrer Religiösität keinen Zugang zu Hochschulen fanden.

Diese Menschen haben sich dort nicht nur eingelebt, sie haben auch oft die Staatsbürgerschaft dieser Zufluchtsländer angenommen. Von der türkischen Regierung bekamen sie zunächst die „Pembe Kart“ (Rosa Ausweis), dann die „Mavi Kart“ (Blauer Ausweis). Letzterer wird zwar innerhalb der Türkei wie ein Personalausweis gewertet. Doch einige Rechte wie eine Wahlberechtigung wurden verwehrt.

Jedes Land hat mit der „Flucht von qualifiziertem Personal“ zu kämpfen. In Europa passiert dies mehr oder weniger auf eigenim Wunsch der Menschen hin. In anderen Ländern ist es eher eine zwingende Maßnahme. Gerade in Deutschland ist der Fachkräftemangel recht hoch. Um so verwunderlicher ist es, dass es wenig tut, um die Fachkräfte hier zu halten.

Wenn Deutschland sie nicht will, dann nimmt sie eben die Türkei auf. Ministerpräsident Davutoğlu hat kürzlich ein weiteres Paket zur Ökonomischen Rückführung verkündet. Darin wurde auch die „Turkuaz Kart“ (Türkise Karte) erwähnt. Diese ermöglicht es Nicht-Türken sich problemlos in der Türkei anzusiedeln und die gleichen Rechte wie türkische Staatsbürger zu genießen.

Diese Nachricht dürfte vor allem die Türken in Europa freuen. Sie können nun zurück in die Türkei, ohne die Staatsbürgerschaft zu ändern, um gleich Rechte genießen zu dürfen. Die Türkei will vor allem seine Fachkräfte zurück. Aber nicht nur diese: Auch ausländischen Studenten sollen Türen geöffnet werden.

Die Türkei weiß, dass es im globalen Wettbewerb nur mit Fachkräften vorangeht, die forschen, gründen und investieren. Nur so kann das Land seine ambitionierten Ziele für 2023, 2053 und 2071 erreichen.

Eine Karte in einer anderen Farbe reicht jedoch nicht aus. Es muss Eingliederungsmaßnahmen für diese Menschen geben, die vielleicht schon über 35 Jahre im Ausland geben. Gerade jüngere Menschen kennen die Türkei nur aus dem Urlaub. Die Türkei muss die „Willkommenskultur“ nicht nur vorgeben, sie muss sie aktiv leben.

Dann bin ich mir sicher, dass es nicht viele Anreize braucht, um die verloren gegangenen Schäfchen wieder zurückzuholen.

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