Back To Turkey: Gülden Onur & der richtige Zeitpunkt

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Nie richtig wohlgefühlt in Deutschland

Back To TurkeyIm Gegensatz zu Ersin aus unserer ersten „Back To Turkey“ Geschichte, der fast sein ganzes Leben in Deutschland verbracht hat, kam Gülden erst 2006 nach Deutschland. Nachdem sie einen Deutschtürken heiratete.

Am Anfang war alles noch neu und spannend. Auch wenn das ständige Grau Deutschlands nervte. Nach kurzer Zeit zog das Paar in eine Gegend mit Wald und Wiese vor der Haustür. Das Grün und die frische Luft ließ ihr das Heimweh zur Schwarzmeerküste etwas vergessen.

Ein Jahr später kam dann die Tochter Feyza auf die Welt und weitere drei Jahre später der Sohn Yunus. Das Familienglück war eigentlich perfekt. Wenn da nicht das Heimweh und der graue Alltag Deutschlands wäre.

Die fehlende soziale Komponente

Immer wieder beklagte Gülden die fehlende soziale Komponente in ihrem Leben. Außerhalb der Familie hatte sie es schwer, Fuß zu fassen, sich eine Umfeld an neuen Freunden aufzubauen. Zwar waren da die Mütter aus dem Kindergarten. Aber das soziale Leben, dass sie aus der Türkei gewohnt war, fehlte hier.

„Dort ist Leben. Auch nachts um 23 Uhr“, berichtet die junge Mutter. Im Gegensatz dazu sind die Straßen leer. Im Winter gar um 18 Uhr.

Der richtige Zeitpunkt

Die Familie spielte vielleicht 2011 schon mit dem Gedanken der Rückkehr. Doch die Unsicherheit, die Risiken führten immer wieder zu einer Verschiebung.

Erst als die Familie beschloss, sich in der Heimat ein kleines Häuschen zu bauen, nahmen die Pläne konkrete Züge an. Kleine leichte Aufgabe. Es wurde viel gespart, Güldens Schmuck verwertet.

Ein Datum gab es dann, dass sich die Familie als letzten Zeitpunkt gab: Die Einschuldung der Tochter im September 2013. Wenn, dann musste die Rückkehr bis dann erledigt sein.

Die Rückkehr

Tatsächlich zog Familie Onur die Rückkehr dann auch durch. Manchmal muss man „die Schiffe hinter sich eben abfackeln“ besagt ein türkisches Sprichwort.

Nicht alle Familienmitglieder kehrten jedoch gleich zurück. Der Ehemann von Gülden blieb erst einmal in Deutschland. Die Anmeldungen aller anderen Familienmitglieder wurden abgemeldet. Gülden und ihre zwei Kinder leben nun endgültig an der Schwarzmeerküste.

Mein Besuch bei der Familie

15 Monate nach der Rückkehr besuchte ich die Familie in ihrer neuen Wahlheimat. „Die Kinder vermissen Deutschland kein bisschen“, berichtee mir Gülden. „Sie denken gar nicht mehr daran“. Ich fragte sie, ob sie Deutschland vermisse.

Den Frischkäse und die Schokolade ja. Das Land selbst nicht.

Gülden hat m.E. ein stressigeres Leben in der Türkei. Aber das scheint ihr nichts auszumachen. Sie hat nämlich ihre Familie um sich. Und die können einem den Arbeitsstress ein wenig abnehmen.

Auf meine Frage, ob sie den Entschluss bereut habe, sagt sie:

Im letzten Jahr meiner Zeit in Deutschland hatte ich angefangen, mir ein neues Umfeld aufzubauen. Da war aber schon der Entschluss gefasst. Bereut habe ich diesen nie und empfehle es jedem, mir gleichzutun.

Mittlerweile ist auch das Häuschen der Familie fertig und Gülden ist mit ihren Kindern eingezogen. So schrieb man mir zumindest im letzten Monat.

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