Back To Turkey: Ersin Yaner & die Rückkehr mit 3 Kindern

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Ein unerfülltes Leben in Deutschland

Ersin Yaner ist 40 Jahre alt. Ich kenne ihn seit Anfang der 90er aus dem gemeinsamen Vereinssport. Ein symphatischer, freundlicher und warmherziger Mann.

Er war als Unternehmer tätig und führte nacheinader erst einen Kiosk, dann eine Autowaschanlage und hiernach einen Dönerladen. Die Geschäfte schienen gut zu laufen. Dennoch zeichnete sich schon ab, dass Ersin nicht ganz zufrieden war. Er suchte anscheinend nach dem Sinn seines Lebens.

Ich traf Ersin ab und zu auf der Straße. Er war gewohnt warmherzig und lächelte stets. Sein herzliches „gardaşım‘ war sehr machte ihn sehr symphatisch.

2010 traf ich ihn auf dem Düsseldorfer Flughafen, als ich meine Eltern gen Mekka verabschiedete. Auch Ersin war da. Ich fragte, wer aus seiner Familie fliegen würde. Er antwortete: „Ich selbst.“

Die Zeichen zur Rückkehr

Zu Beginn des Jahres munkelte man, dass Ersin seinen Dönerladen verkaufen würde. Ich dachte, er würde ein neues Abenteuer suchen oder hätte eine neue Idee.

Ofensichtlich waren seine Absichten jedoch andere.

Die Rückkehr

Als ich vor einigen Wochen einigen Leuten von meiner Idee erzählte, eine Rubrik namens „Back To Turkey“ eröffnen zu wollen, sagte mir ein Freund: „Ach übrigens, der Ersin hat den Schritt schon hinter sich.“

Das war die Gelegenheit ihn per Facebook zu kontaktieren. Er bestätigte mir, dass seine Frau und seine drei Kinder nun mitten in Anatolien leben würden. In einer der aufblühenden Städte im Herzen der Türkei. Er selbst pendelt noch öfter hin und her. Vermutlich hat er seine Verbindungen noch nicht ganz abgebrochen.

Unsere Sorge: Die Kinder

Ich wusste, dass Ersin Kinder hat. Eine der größten Sorgen rückkehrwilliger, es aber dann doch nicht wagender Eltern, sind die Kinder. Kriegen sie dort eine gute Ausbildung? Ist die Ausbildung hier nicht viel besser?

Dazu zwei Sachen:

  1. Sehe ich nicht unbedingt, dass die Jugend von heute es hier viel einfacher hat als wir.
  2. Die Ergebnisse der Pisa-Studie zeigen, dass Deutschland regelmäßig auf den untersten Reihen zu finden ist. Als Grund werden hier auch das schlechte Abschneiden der Migrantenkinder gesehen.
  3. Sind Eltern heutzutage – wie es Pädagoge formulier – nur noch auf die Ausbildung der Kinder fixiert. Nicht jedoch auf ihre Erziehung, von der die Ausbildung nur einen Teil darstellt.

Das Kind soll es einmal besser haben. Und das bedeutet vor allem studieren, viel Geld verdienen, möglichst viel Besitz haben. Ob die dabei Anstand haben, ist zunächst einmal nebensächlich.

Die Kinder von Ersin sind 8, 12 und 14. Für viele wohl ein „No-Go-Alter“. Ich abe Ersin gefragt, was die Kinder machen und ob sie Adaptionsprobleme hätten. Er verneinte. Der Jüngste geht in die Grundschule, die beiden Älteren sind wohl auf einem Internat einer Glaubensgruppe.

Offensichtlich sieht die Familie Yaner die Zukunft ihrer Kinder eher als Religionslehrer als normale Lehrer. Jedem wie er will. Ich wäre der letzte, der sich da einmischen würde.

Fazit

Ersin hat den Schritt gewagt. Zu bereuen scheinen sie es nicht. „Die Kinder haben sich schnell eingelebt“, schreibt er. Ich bin mir sicher, dass Ersin mit seinem unternehmerischen Ehrgeiz bald auch dort eine profitable Nische finden wird. Das Wissen bringt er zumindest mit.

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