Stand bei unserem Start-Up in der Türkei

Fleißige Mitleser wissen, dass wir in diesem Jahr ca. 200.000 TL in ein Start-Up in der Türkei finanziert und uns 25% an jenem gesichert haben.

Am 3. Oktober traf ich unseren Investment-Koordinatior in der Türkei und befragte ihn persönlich über den Stand des Start-Ups.

Die Kalkulation

Den Kalkulationen unseres Investment-Koordinators zufolge sollte die Unternehmung schon nach sechs Monaten den Break-even erreichen. Break-even bedeutet, dass sich die Anfangsinvestition zurückzahlt und dass man ab diesem Zeitpunkt nur noch Gewinne macht.

Ich war da ein wenig skeptisch und meinte, dass es schon sehr gut wäre, wenn es nach zwölf Monaten der Fall wäre.

Laut unserem technischen Leiter, der entsprechende Niederlassungen in Aydin oder Istanbul bereits eröffnete und unser Mann vor Ort für die Schulungen im Bereich Arbeitssicherheit zuständig sein sollte, sogar mit Potenzial auf weniger als sechs Monate. Ich blieb weiterhin kritisch.

Status Quo

Aktuell wurden ca. 140.000 TL des insgesamt 200.000 TL Investments an das Start-Up ausgeschüttet. Neben Anlagevermögen wie PKW wurden damit vor allem die Kosten des Personals gedeckt.

Bisher konnte der Vertrieb einen, jedoch recht guten Kunden an Land ziehen. Dieser generiert im Monat um die 30.000 TL Umsatz. Die Kosten für den laufenden Betrieb sind dabei ca. die Hälfte. D.h. jeden Monat stehen 15.000 TL zur Tilgung des Investments, für’s Marketing etc. zur Verfügung. In der Theorie.

Rechnungsstellung in der Türkei

Das Problem in der Türkei ist, dann man nicht gleich seine Rechnung nach Abschluss der Arbeit stellen kann und der Zahlungsfluss nicht regelmäßig erfolgt.

Für Europäer ungewöhnlich, doch in der Türkei muss man erst den Kunden fragen, ob man die Rechnung nun stellen darf. Kein Witz! Freiberufler, Gründer etc. stellen keine Rechnungen gleich nach Projektabschluss aus. Es vergehen erst 1-2 Monate. Erst dann fragen sie erst einmal freundlich an. Nach Rechnungsstellung erfolgt die Zahlung jedoch recht zügig.

Das macht die Planung umso schwieriger und Zahlungsverschiebungen müssen kompensiert werden. Dies hat zur Folge, dass bislang nur 22.000 TL für die Tilgung des Investments genutzt werden konnten.

Kleine Krise

Die Situation, dass lediglich ein Kunde akquiriert werden konnte, sorgt natürlich für Unruhe. So hatte es sich keiner gewünscht. Doch Krisen gehören zum Leben eines Start-Ups dazu. Selbst wenn sie in der Türkei größer sind als anderswo.

So werden Stimmen von Seiten des technischen Leiters laut, die die Größe des Kundenstamms kritisieren und mit Ausstieg drohen. Das wäre natürlich eine Katastrophe für das Start-Up. Für uns Investoren wäre die Aufgabe des Start-Ups weniger schlimm, da wir uns z.B. mit dem Anlagevermögen zum größten Teil abgesichert haben.

Es wird natürlich in Verhandlungen versucht, die Krise aus der Welt zu schaffen. Mal sehen, wie es endet….

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