Arbeitsrecht in der Türkei – Das ist anders

Wie in den vorherigen Beiträgen geschrieben, haben wir kürzlich in ein Start-Up in der Türkei investiert. Für mich absolutes Neuland. Ich weiß zwar grob, was die Unterschiede beispielsweise im Arbeitsrecht in der Türkei sind. Konkrete Informationen fehlten mir jedoch. Ein Kumpel hat mir nun einen Link zugeschickt.

Arbeitsverträge

So wie in der BRD auch, können Arbeitsverträge in der Türkei schriftlich oder mündlich abgeschlossen werden. Empfohlen wird – wie auch hierzulande – dies schriftlich zu tun, um bei Streitigkeiten einen Beweis zu haben.

Wenn man in der Türkei einen befristeten Arbeitsvertrag aufsetzen will, dann muss diese Befristung nur bei einem Arbeitsverhältnis von über einem Jahr schriftlich festgehalten werden. D.h. hat man eh vor nur jemanden für sechs Monate einstellen, muss dies nicht explizit im Vertrag erwähnt sein.

Probezeit

Die Probezeit in der Türkei ist eher arbeitnehmerfreundlich. So ist diese i.d.R. zwei, bei tariflichen Verträgen maximal vier Monate lang. In Deutschland sind es sechs Monate.

Arbeitszeit

Die maximale Arbeitszeit in der Türkei beträgt 45 Stunden in der Woche. Ich bezweifle jedoch, dass die meisten dies einhalten. Gesetzlich sind die Überstunden auf maxiamal 270 Stunden im Jahr gedeckelt. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Doch Obacht: Immer mehr Türken kennen ihre Rechte.

Wenn im Vertrag keine Vergütung der Überstunden geregelt ist, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnzuschläge von 50%.

Kündigung

Das Ende von Arbeitsverhältnissen in der Türkei ist dem in Deutschland ähnlich:

  • ordentliche und außerordentliche Kündigung
  • Fristablauf bei befristeten Verträgen
  • Tod
  • einvernehmliche Aufhebung

Die Kündigungsfristen bei unbefristeten Verträgen lauten wie folgt:

  • 0 – 6 Monate: 2 Wochen
  • 6 – 1,5 Jahre: 4 Wochen
  • 1,5 Jahre – 3 Jahre: 6 Wochen
  • Ab 3 Jahre: 8 Wochen

Bei Nichteinhaltung kann Schadenersatz eingefordert werden.

Kündigungsschutz

Ab einem Beschäftigungsverhältnis von >6 Monaten genießen Arbeitnehmer einen besonderen Kündigungsschutz. Voraussetzung: Der Betrieb beschäftigt über 30 Mitarbeiter.

Abfindung

In der Türkei kennt man seine Rechte bei der Abfindung. Man könnte schon sagen, dass es eine Art Job-Hopping gibt. Ab einem Jahr Betriebszugehörigt steht einem die Abfindung zu, so dass es vorkommen kann, dass Leute weniger gut arbeiten und auf die Abfindung (derzeit 1.200 €) aus sind. Das hängt natürlich auch ein wenig von der Joblage ab.

Urlaub

Die Urlaubsregelung im türkischen Arbeitsrecht ist eher arbeitgeberfreundlich. Natürlich im Vergleich zu Deutschland, wo man vom Start ab schon mindestens 24 Werktage zugesprochen bekommt.

In der Türkei beginnt man gesetzlich mit 14 Werktagen, dann 20 (>5 Jahre Betriebszugehörigkeit), dann 26 (ab 15 Jahren).

Mindestlohn

Einen Mindestlohn gibt es in der Türkei schon länger. Da könnte sich Deutschland ein Beispiel nehmen. Dieser liegt im Juni 2014 bei etwas mehr als 1.000 TL brutto (390 e) und 850 TL (290 €) netto. Wie ich immer wieder schreibe, sind diese 850 TL eher wie 850 € hinsichtlich ihrer Kaufkraft zu betrachten.

Fazit

Summa summarum kann man sagen, dass das Arbeitsrecht in der Türkei eher gut für Arbeitgeber ist.

Quelle: Dr. Gökce Uzar, Rechtsanwälting