Rendite ist manchmal auch Zins – Das Beispiel bettervest

Ein Grund, warum wir unseren eigenen Immobilienfond aufgesetzt haben und nicht bestehende nutzen ist, dass diese oft auch an ein Zinssystem gebunden sind. Entweder indem die versprochenen Renditen eher Zinsen sind oder in Zeiten, in denen keine Investition erfolgt, das Geld gegen Zinesen angelegt werden.

Damit wollen wir eigentlich nichts zu tun haben. Wer richtig islamisch investieren will, der muss ein Risiko des Verlustes in Kauf nehmen. Vielleicht ist das bei dem einen oder anderen Fond gewährleistet. Aber es werden auch Sicherheiten zugestanden, wie das folgende Beispiel zeigt. Da werden zwar Renditen kommuniziert. Effektiv handelt es sich jedoch um Zinsen.

Bettervest – Investieren in energieeffiziente Sanierung

Ich bin heute auf das Portal bettervest gestoßen. Hier können Unternehmen ein Crowdfunding für energieeffiziente Projekte wie z.B. den Austausch der Beleuchtung starten. Investoren investieren nicht nur und erhalten dafür eine „Rendite“, sie tun auch etwas für die Umwelt.

Ein solches Projekt sieht beispielsweise wie folgt aus:

  • Rendite: 10%
  • Laufzeit: sechs Jahre
  • CO2-Ersparnis: 7,6 Tonnen
  • Finanzierung: 16.700 €

Klingt auf den ersten Blick sehr interessant. Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe ich heute mit dem Geschäftsführer von bettervest telefoniert. Meine Fragen und Antworten.

Mein Gespräch mit dem Geschäftsführer

Frage: Wie läuft das genau mit der Investition ab?

Antwort: Sie bekommen jährlich einen Teil Ihrer Investition zurück plus die vertraglich geregelte Rendite aus den Ersparnissen.

F: Ist das nicht dann eher ein zinsgebundenes Darlehen?

A: Es ist ein Annuiätenmodell, aber wenn Sie so wollen ja.

F: Kann denn der Projektnehmer später sagen, dass Ersparnisse nicht zustande gekommen sind? D.h .gibt es ein Ausfallrisiko der Rendite?

A: Die Ersparnis-Kalkulation erfolgt nach einer Energieberatung. Der Projektnehmer sichert Ihnen die Rendite zu.

F: Wieso geht er dann nicht zur Hausbank? Da wären die Zinsrückzahlungen sicherlich geringer.

A: Ja, da haben Sie vermutlich Recht. Mit Crowdfunding hat man jedoch noch einen Marketingeffekt.

Für Projektnehmer unökonomisch

An dem Beispiel sieht man, dass Crowdfunding „gefragt“ ist. Offensichtlich sind Unternehmen, Sozialträger oder Vereine daran interessiert, gerade umweltförderliche Maßnahmen werbewirksam zu platzieren. Dabei könnten sie die Investments auch aus dem Cash Flow bezahlen. Wurde mir im Übrigen auch im obigen Gespräch bestätigt.

Wenn man eh kein Problem mit dem Zinssystem hat, dann lohnt sich auch eher der Gang zur Hausbank. Da ist die Rendite bzw. der Zins derzeit niedriger. Aus ökonomischer Betrachtungsweise ist diese Art der Projektfinanzierung daher m.E. unsinnig.

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