Archives for Ali

Back To Turkey: Gülden Onur & der richtige Zeitpunkt

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Nie richtig wohlgefühlt in Deutschland

Back To TurkeyIm Gegensatz zu Ersin aus unserer ersten „Back To Turkey“ Geschichte, der fast sein ganzes Leben in Deutschland verbracht hat, kam Gülden erst 2006 nach Deutschland. Nachdem sie einen Deutschtürken heiratete.

Am Anfang war alles noch neu und spannend. Auch wenn das ständige Grau Deutschlands nervte. Nach kurzer Zeit zog das Paar in eine Gegend mit Wald und Wiese vor der Haustür. Das Grün und die frische Luft ließ ihr das Heimweh zur Schwarzmeerküste etwas vergessen.

Ein Jahr später kam dann die Tochter Feyza auf die Welt und weitere drei Jahre später der Sohn Yunus. Das Familienglück war eigentlich perfekt. Wenn da nicht das Heimweh und der graue Alltag Deutschlands wäre.

Die fehlende soziale Komponente

Immer wieder beklagte Gülden die fehlende soziale Komponente in ihrem Leben. Außerhalb der Familie hatte sie es schwer, Fuß zu fassen, sich eine Umfeld an neuen Freunden aufzubauen. Zwar waren da die Mütter aus dem Kindergarten. Aber das soziale Leben, dass sie aus der Türkei gewohnt war, fehlte hier.

„Dort ist Leben. Auch nachts um 23 Uhr“, berichtet die junge Mutter. Im Gegensatz dazu sind die Straßen leer. Im Winter gar um 18 Uhr.

Der richtige Zeitpunkt

Die Familie spielte vielleicht 2011 schon mit dem Gedanken der Rückkehr. Doch die Unsicherheit, die Risiken führten immer wieder zu einer Verschiebung.

Erst als die Familie beschloss, sich in der Heimat ein kleines Häuschen zu bauen, nahmen die Pläne konkrete Züge an. Kleine leichte Aufgabe. Es wurde viel gespart, Güldens Schmuck verwertet.

Ein Datum gab es dann, dass sich die Familie als letzten Zeitpunkt gab: Die Einschuldung der Tochter im September 2013. Wenn, dann musste die Rückkehr bis dann erledigt sein.

Die Rückkehr

Tatsächlich zog Familie Onur die Rückkehr dann auch durch. Manchmal muss man „die Schiffe hinter sich eben abfackeln“ besagt ein türkisches Sprichwort.

Nicht alle Familienmitglieder kehrten jedoch gleich zurück. Der Ehemann von Gülden blieb erst einmal in Deutschland. Die Anmeldungen aller anderen Familienmitglieder wurden abgemeldet. Gülden und ihre zwei Kinder leben nun endgültig an der Schwarzmeerküste.

Mein Besuch bei der Familie

15 Monate nach der Rückkehr besuchte ich die Familie in ihrer neuen Wahlheimat. „Die Kinder vermissen Deutschland kein bisschen“, berichtee mir Gülden. „Sie denken gar nicht mehr daran“. Ich fragte sie, ob sie Deutschland vermisse.

Den Frischkäse und die Schokolade ja. Das Land selbst nicht.

Gülden hat m.E. ein stressigeres Leben in der Türkei. Aber das scheint ihr nichts auszumachen. Sie hat nämlich ihre Familie um sich. Und die können einem den Arbeitsstress ein wenig abnehmen.

Auf meine Frage, ob sie den Entschluss bereut habe, sagt sie:

Im letzten Jahr meiner Zeit in Deutschland hatte ich angefangen, mir ein neues Umfeld aufzubauen. Da war aber schon der Entschluss gefasst. Bereut habe ich diesen nie und empfehle es jedem, mir gleichzutun.

Mittlerweile ist auch das Häuschen der Familie fertig und Gülden ist mit ihren Kindern eingezogen. So schrieb man mir zumindest im letzten Monat.

Back To Turkey: Ersin Yaner & die Rückkehr mit 3 Kindern

Die hier erwähnten Namen wurden redaktionell geändert.

Ein unerfülltes Leben in Deutschland

Ersin Yaner ist 40 Jahre alt. Ich kenne ihn seit Anfang der 90er aus dem gemeinsamen Vereinssport. Ein symphatischer, freundlicher und warmherziger Mann.

Er war als Unternehmer tätig und führte nacheinader erst einen Kiosk, dann eine Autowaschanlage und hiernach einen Dönerladen. Die Geschäfte schienen gut zu laufen. Dennoch zeichnete sich schon ab, dass Ersin nicht ganz zufrieden war. Er suchte anscheinend nach dem Sinn seines Lebens.

Ich traf Ersin ab und zu auf der Straße. Er war gewohnt warmherzig und lächelte stets. Sein herzliches „gardaşım‘ war sehr machte ihn sehr symphatisch.

2010 traf ich ihn auf dem Düsseldorfer Flughafen, als ich meine Eltern gen Mekka verabschiedete. Auch Ersin war da. Ich fragte, wer aus seiner Familie fliegen würde. Er antwortete: „Ich selbst.“

Die Zeichen zur Rückkehr

Zu Beginn des Jahres munkelte man, dass Ersin seinen Dönerladen verkaufen würde. Ich dachte, er würde ein neues Abenteuer suchen oder hätte eine neue Idee.

Ofensichtlich waren seine Absichten jedoch andere.

Die Rückkehr

Als ich vor einigen Wochen einigen Leuten von meiner Idee erzählte, eine Rubrik namens „Back To Turkey“ eröffnen zu wollen, sagte mir ein Freund: „Ach übrigens, der Ersin hat den Schritt schon hinter sich.“

Das war die Gelegenheit ihn per Facebook zu kontaktieren. Er bestätigte mir, dass seine Frau und seine drei Kinder nun mitten in Anatolien leben würden. In einer der aufblühenden Städte im Herzen der Türkei. Er selbst pendelt noch öfter hin und her. Vermutlich hat er seine Verbindungen noch nicht ganz abgebrochen.

Unsere Sorge: Die Kinder

Ich wusste, dass Ersin Kinder hat. Eine der größten Sorgen rückkehrwilliger, es aber dann doch nicht wagender Eltern, sind die Kinder. Kriegen sie dort eine gute Ausbildung? Ist die Ausbildung hier nicht viel besser?

Dazu zwei Sachen:

  1. Sehe ich nicht unbedingt, dass die Jugend von heute es hier viel einfacher hat als wir.
  2. Die Ergebnisse der Pisa-Studie zeigen, dass Deutschland regelmäßig auf den untersten Reihen zu finden ist. Als Grund werden hier auch das schlechte Abschneiden der Migrantenkinder gesehen.
  3. Sind Eltern heutzutage – wie es Pädagoge formulier – nur noch auf die Ausbildung der Kinder fixiert. Nicht jedoch auf ihre Erziehung, von der die Ausbildung nur einen Teil darstellt.

Das Kind soll es einmal besser haben. Und das bedeutet vor allem studieren, viel Geld verdienen, möglichst viel Besitz haben. Ob die dabei Anstand haben, ist zunächst einmal nebensächlich.

Die Kinder von Ersin sind 8, 12 und 14. Für viele wohl ein „No-Go-Alter“. Ich abe Ersin gefragt, was die Kinder machen und ob sie Adaptionsprobleme hätten. Er verneinte. Der Jüngste geht in die Grundschule, die beiden Älteren sind wohl auf einem Internat einer Glaubensgruppe.

Offensichtlich sieht die Familie Yaner die Zukunft ihrer Kinder eher als Religionslehrer als normale Lehrer. Jedem wie er will. Ich wäre der letzte, der sich da einmischen würde.

Fazit

Ersin hat den Schritt gewagt. Zu bereuen scheinen sie es nicht. „Die Kinder haben sich schnell eingelebt“, schreibt er. Ich bin mir sicher, dass Ersin mit seinem unternehmerischen Ehrgeiz bald auch dort eine profitable Nische finden wird. Das Wissen bringt er zumindest mit.

Back To Turkey: Eine neue Rubrik für Rückkehrwillige

Es gibt eine neue Rubrik auf turkishstartup.com. Wenn ich das Wort Start-Up weit fasse, dann bedeutet es „etwas neues aufbauen“. Das muss nicht unbedingt ein Unternehmen sein. Auch persönlich kann man etwas neues aufbauen. So z.B. sein neues Leben in der Türkei.

Mir ist aufgefallen, dass es in letzter Zeit immer mehr Rückkehrer und Rückkehrwillige in die Heimatländern gibt. Nun, Rückkehrer trifft es nicht ganz. Denn Rückkehr impliziert, dass man vorher dort gelebt hat. Ich treffe zunehmend auf Menschen, die eigentlich in Deutschland geboren, hier aufgewachsen, Deutschland als ihre Heimat sahen und jetzt doch ernsthaft über eine „Rückkehr“ nachdenken.

Der Wille ist da…

Ein Artikel auf Focus online besagt, dass 45% der Türken sich vorstellen können, in die Türkei zu ziehen. Das hat sicherlich auch mit der verbesserten ökonomischen Situation in der Regierungszeit von Recep Tayyip Erdoğan zu tun.

Das Magazin MIGAZIN schreibt jedoch, dass es bei vielen beim Wunsch bleibt.

Gründe

Ich sehe vor allem folgende Gründe dafür:

  • Die berufliche Perspektive / Versorung der Familie
  • (Aus-)Bildung der Kinder
  • Die gesundheitliche Versorgung
  • Die Angst, ein funktionierendes, aber nicht unbedingt glücklich machendes, etabliertes System zu verlassen
  • Das Risiko eines Scheiterns

Motivation

Uzungöl-TrabzonIch spiele seit zwei Jahren selbst mit dem Gedanken, zumindest eine gewisse Zeit des Jahres in der Türkei zu leben.

Diesem Ziel habe ich mich – mal mehr mal weniger – herangearbeitet. Es gab Zeiten, wo der Wille sehr stark war und wiederum Zeiten, in denen dieser Wille gebrochen wurde.

Am 22.11.2014 ist dieser Wille wieder erstarkt. Als ich wieder anfing darüber zu reden, merkte ich, dass es durchaus schon Rückkehrer aus meinem Umfeld gab und durchaus noch weitere Rückkehrwillige gibt. Also habe ich mir den Sommer 2016 fest als Ziel für einen ersten Versuch in mein Hirn eingemeiselt. Sofern ich bis dahin natürlich noch leben und meine Investition in eine Wohnung nicht ins Wasser fallen sollte.

Ich will mit dieser neuen Rubrik über Rückkehrer und Rückkehrwillige berichten. Informationen weitergeben, Ängste nehmen, Perspektiven eröffnen.

Unterstützung

Natürlich könnt auch Ihr mich dabei unterstützen. Indem Ihr z.B. Kontakte zu Rückkehrern organisiert, die ich interviewen kann. Auch indem Ihr von meinem Vorhaben anderen erzählt und die Artikel in sozialen Medien teilt.

Erzählt mir auch Eure Geschichte. Seid Ihr auch rückkehrwillig? Wenn ja, für wann ist eine Rückkehr geplant? Was sind noch Hindernisse oder Ängste? Lasst uns diese eventuell gemeinsam aus der Welt schaffen.

Kontaktieren könnt Ihr mich über das Kontaktformular.

Erster Geldrückfluss nach Investition in türkisches Start-Up

Wie Ihr bereits wisst, haben wir in diesem Jahr in ein Start-Up in der Türkei investiert. Wer Interesse an den Details hat, kann diese hier nachlesen.

Nur kurz soviel: Wir haben insgesamt 200.000 TL investiert. Von diesem Geld sind bislang ca. 140.000 TL an das Unternehmen geflossen, an dem wir zudem zu 25% beteiligt sind.

Bisheriger Geldrückfluss

Vereinbart wurde, dass ein Teil der erwirtschafteten Umsätze zur Tilgung des zinslosen Darlehens an die Investoren wieder zurückfließen.

Der erste monetärer Rückfluss fand vor einigen Monaten statt. Bedient wurden hierbei drei der sechs Investoren. Insgesamt wurden 23.000 TL an die Privatinvestoren zurückgezahlt.

Somit konnte das Start-Up etwas über 11% seiner Schuld begleichen.

Aktueller Geldrückfluss

Vorgestern erhielt ich eine E-Mail, dass es eine weitere Auszahlung an die Investoren geben wird. Diesmal verständlicherweise an die verbleibenden drei Investoren.

Mein Anteil betrug dabei 5.000 TL. Wie viel die anderen beiden erhielten, ist mir unbekannt. Wenn wir davon ausgehen, dass es zu gleichen Anteilen ist, dann wurden bei dieser Tilgung 15.000 TL und damit insgesamt 38.000 TL zurückgezahlt.

Das sind 19% des Private-Equity-Darlehens und meines Erachtens nicht schlecht für ein so junges Vorhaben. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Gelder ausgezahlt werden, nachdem alle Ausgaben gedeckt sind.

Es gibt auch Hürden

Natürlich läuft nicht alles so, wie man sich das am Anfang erhofft hat. Gerade die kostengünstigere und oftmals qualitativ minderwertige Dienstleistung der Konkurrenz macht es dem Start-Up nicht gerade leicht, neue Kunden zu akquirieren.

Arbeitssicherheit wird halt „notwendiges Übel“ gesehen, für das möglichst wenig Geld ausgegeben werden sollte. Falls dann doch etwas passiert (wie z.B. die Minenunglücke in Soma oder Karaman), dann ist es der Staat schuld.

Der Staat kann leider nur kontrollieren, ob entsprechende Maßnahmen unternommen wurden. Sicherlich nicht, die Qualität eines jeden Auftrags prüfen, bei dem das Unternehmen aus Zertifizierungsgründen qualitativ hochwertige Arbeit zu geben versucht. Später werden dann mit Kampfpreisen Aufträge generiert, bei der dann an der Qualitätsschraube gedreht wird.

Fazit

Aber so ist halt in der Geschäftsfeld. Der Markt ist hart umkämpft oder wie man im Türkischen sagt: „Das Brot befindet sich im Maul des Löwen“.

Ein neues Investment in der Türkei bahnt sich an

Immobilien werden noch immer als die sicherste Altersvorsorge und als sicherstes Investment gesehen. Daher bahnt sich ein neues Investment in der Türkei bei uns an.

Reformen auf dem Immobilienmarkt

In den letzten Jahren hat die Regierung der AKP das Programm „Kentsel dönüşüm“ ins Leben gerufen. Bei großen Erdbeben 1999 in der Marmara-Region sind viele Gebäude wie Kartenhäuser ineinandergefallen und für den Tod zehntausender Menschen gesorgt.

Die Analysen ergaben, dass die Stahlträger der Häuser korridiert waren. Sie konnten praktisch mit den Fingern verbogen werden  Kentsel dönüşüm bewirkt nun, dass instabile Gebäude abgerissen und neu – also erdbebensicher – errichtet werden.

Viele Menschen besitzen jedoch nicht das Geld, ein Mehrfamilienhaus abzureißen und neu zu bauen. Was sie tun ist, die Baugenehmigung einem Bauunternehmen zu übertragen. Dieser zieht dann dort ein komplettes Haus auf. Ein Teil gehört dann dem ehemaligen Eigentümer, ein Teil dem Bauunternehmen.

Der Immobilienmarkt in Uşak

Die Immobilie, die wir uns ausgeguckt haben, befindet sich in Uşak, einer mittelgroßen Stadt mit 188.000 Einwohnern zwischen Izmir und Ankara liegend.

Zu erklären ist es nicht, doch die Immobilienpreise in dieser Stadt sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Gut, die Stadt hat sich extrem weiterentwickelt. Neue Straßen, Brücken, neue Gebäude, eine Uni. Die Stadt besitzt eine recht gute Lage, eine Industrie und Landwirtschaft.

Im letzten Jahr bewegten sich die Preise für 2-3 Zimmerwohnungen bei ca. 200.000 TL, was für so eine Stadt schon recht viel ist. Zum Vergleich: Knapp 1,5 Jahren investierten wir in eine 4-Zimmer-Wohnung und bezahlten lediglich 125.000 TL. Und das in der Metropole Izmir.

Insbesondere möblierte Single-Wohnungen sind derzeit hoch im Rennen. Studenten oder junge Berufstätige packen ihre Koffer und ziehen gleich ein. Zu stressig ist das Beziehen einer leeren Wohnung für eine absehbare Zeit. Und natürlich auch kostspielig.

Die aktuelle Investition

Die Bauunternehmen bauen Häuser, um Apartments darin gleich zu veräußern. Am besten noch vor Baubeginn. So haben sie die entsprechenden liquiden Mittel.

Eines dieser Bauunternehmer ist ein entfernter Verwandter meiner Mutter. Ziemlich zentral will er bis Ende 2015 ein Mehrfamilienhaus errichtet haben.

In eines dieser Single-Apartments mit ca. 40 qm (2 Zimmer, Bad/WC) werden wir wohl investieren. Es befindet sich im ersten Stock und wird über eine Standgasleitung verfügen (durchaus nicht üblich in jeder Wohnung). Außerdem über eine KEinbauküche, Bodenbelag, einen kleinen Balkon.

Die Wohnung ist citynah und nach Süden und Westen offen. Außerdem soll es einen Aufzug in dem vierstöckigen Wohnkomplex geben. Als Kaufpreis sind normal 90.000 TL angesetzt. Als Verwandter hat man dann noch etwas Verhandlungsspielraum: 80.000 TL bzw. ca. 26.000 Euro.

Normal ist, dass man jetzt schon die volle Summe zahlt und nach Bauende seine Schlüssel übergeben bekommt. Hiernach kann man entscheiden, ob man selbst einzieht oder – nach Bauherrangaben – für 700 TL / Monat vermietet.

Dieser Mietzins erscheint mir ein wenig zu hoch für so ein kleines Apartment. Aber auch die 200.000 TL fand ich schon übertrieben. Mal sehen… Alternativ – so erneut der Bauherr – könnte die Wohnung auch gleich für 90-100.000 TL veräußert werden.

Fazit

In unserem Fall geht es hier nicht nur um eine Rendite. Eventuell könnte das Apartment auch selbst genutzt werden. Mein Kollege (Bauingenieur) empfiehlt diese Investition nicht.

Nach reiflicher Überlegung werden wir es wohl dennoch machen.

Stand bei unserem Start-Up in der Türkei

Fleißige Mitleser wissen, dass wir in diesem Jahr ca. 200.000 TL in ein Start-Up in der Türkei finanziert und uns 25% an jenem gesichert haben.

Am 3. Oktober traf ich unseren Investment-Koordinatior in der Türkei und befragte ihn persönlich über den Stand des Start-Ups.

Die Kalkulation

Den Kalkulationen unseres Investment-Koordinators zufolge sollte die Unternehmung schon nach sechs Monaten den Break-even erreichen. Break-even bedeutet, dass sich die Anfangsinvestition zurückzahlt und dass man ab diesem Zeitpunkt nur noch Gewinne macht.

Ich war da ein wenig skeptisch und meinte, dass es schon sehr gut wäre, wenn es nach zwölf Monaten der Fall wäre.

Laut unserem technischen Leiter, der entsprechende Niederlassungen in Aydin oder Istanbul bereits eröffnete und unser Mann vor Ort für die Schulungen im Bereich Arbeitssicherheit zuständig sein sollte, sogar mit Potenzial auf weniger als sechs Monate. Ich blieb weiterhin kritisch.

Status Quo

Aktuell wurden ca. 140.000 TL des insgesamt 200.000 TL Investments an das Start-Up ausgeschüttet. Neben Anlagevermögen wie PKW wurden damit vor allem die Kosten des Personals gedeckt.

Bisher konnte der Vertrieb einen, jedoch recht guten Kunden an Land ziehen. Dieser generiert im Monat um die 30.000 TL Umsatz. Die Kosten für den laufenden Betrieb sind dabei ca. die Hälfte. D.h. jeden Monat stehen 15.000 TL zur Tilgung des Investments, für’s Marketing etc. zur Verfügung. In der Theorie.

Rechnungsstellung in der Türkei

Das Problem in der Türkei ist, dann man nicht gleich seine Rechnung nach Abschluss der Arbeit stellen kann und der Zahlungsfluss nicht regelmäßig erfolgt.

Für Europäer ungewöhnlich, doch in der Türkei muss man erst den Kunden fragen, ob man die Rechnung nun stellen darf. Kein Witz! Freiberufler, Gründer etc. stellen keine Rechnungen gleich nach Projektabschluss aus. Es vergehen erst 1-2 Monate. Erst dann fragen sie erst einmal freundlich an. Nach Rechnungsstellung erfolgt die Zahlung jedoch recht zügig.

Das macht die Planung umso schwieriger und Zahlungsverschiebungen müssen kompensiert werden. Dies hat zur Folge, dass bislang nur 22.000 TL für die Tilgung des Investments genutzt werden konnten.

Kleine Krise

Die Situation, dass lediglich ein Kunde akquiriert werden konnte, sorgt natürlich für Unruhe. So hatte es sich keiner gewünscht. Doch Krisen gehören zum Leben eines Start-Ups dazu. Selbst wenn sie in der Türkei größer sind als anderswo.

So werden Stimmen von Seiten des technischen Leiters laut, die die Größe des Kundenstamms kritisieren und mit Ausstieg drohen. Das wäre natürlich eine Katastrophe für das Start-Up. Für uns Investoren wäre die Aufgabe des Start-Ups weniger schlimm, da wir uns z.B. mit dem Anlagevermögen zum größten Teil abgesichert haben.

Es wird natürlich in Verhandlungen versucht, die Krise aus der Welt zu schaffen. Mal sehen, wie es endet….

Türkei: Ein sicherer Ort für Investitionen

Nachdem die europäischen Märkte zuletzt stagniert hatten, konnte sich die türkische Wirtschaft in der ersten Hälfte des Jahres behaupten. Die direkten Investitionen in den türkischen Markt haben innerhalb der ersten sechs Monate eine Höhe von 6,76 Milliarden Dollar erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr sind die ausländischen Direktinvestitionen damit um 28 Prozent gestiegen.

Den kompletten Artikel lesen Sie hier.

Rechnungsstellung in der Türkei – Ein Albtraum?

Wer hierzulande als Freelancer arbeitet, der stellt am Ende eines Projekts oder eines Monats eine Rechnung aus. Je nach Kunde wird diese innerhalb von 14 bis 60 Tagen beglichen. Wem die zwei Monate zu lang sind, hat die Möglichkeit, einen Factoring-Dienst in Anspruch zu nehmen.

Was ist Factoring?

Dabei wird die Rechnung quasi an eine Bank „verkauft“. Diese übernimmt diese mit einem Abschlag z.B. von 4% und kümmert sich anschließend um eventuelles Mahnverfahren etc. Der Freelancer muss nicht auf sein Geld warten und ist gleich liquide. Meist hat er nämlich selbst schon Verpflichtungen.

Projektabschluss in der Türkei

In der Türkei ist der Projektabschluss nicht unbedingt gleichbedeutend mit Rechnungsstellung. Dort muss man erst fragen, ob man die Rechnung stellen darf.

Wie? Ich habe ein Projekt abgeschlossen und muss um Erlaubnis fragen, ob ich dann meine Arbeit bezahlt bekommen kann? Ja genau. Mehr oder weniger läuft es so ab.

Ist das nicht ungerecht? Ja ist es. Aber du kannst als Freelancer, der auf Projekte angewiesen ist, nicht viel dagegen ausrichten. Der Auftraggeber will so lange wie möglich selbst liquide bleiben.

Aus der Praxis

Ein Beispiel soll das Businessverständnis in der Türkei verdeutlichen. Ein Freelancer erhält über einen Vermittler einen Job. Er führt ihn aus und stellt dem Auftraggeber gleich danach eine Rechnung. Dieser beschwert sich beim Vermittler darüber.

Der Freelancer hat keine andere Wahl als zu warten. Würde er auf seinem Recht pochen und eventuell ein Mahnverfahren starten, würde er sich damit nur selbst ins Fleisch schneiden. Denn die jeweiligen Sektoren in der Branche sind klein, man kennt sich. Schnell würde sich ein solches Vorgehen herumsprechen. Der Freelancer würde nicht mehr beauftragt werden.

Stattdessen fragt er die Monate nach Projektabschluss immer wieder einmal freundlich an, ob er denn seine Rechnung schicken darf. Das kann zwei Monate dauern, aber auch sechs. In dieser Zeit muss er schauen, wie er über die Runden kommt.

Gibt der Auftraggeber dann grünes Licht, erstellt er die Rechnung. Diese wird erfahrungsgemäß auch unmittelbar danach bezahlt.

Die Verhandlungsmacht

Viel kannst du an der Situation nicht ändern. Selbst größeren Firmen ergeht es ähnlich. Auch sie müssen z.T. sechs Monate auf eine Entlohnung ihrer Arbeit warten. Diese Situation ist natürlich ungerecht und auch unislamisch. Denn im Islam gilt: Gib‘ dem Arbeiter seinen Lohn, noch bevor sein Schweiß getrocknet ist.

Die Lösung ist zu wachsen, sich einen Namen in der Branche zu machen, um so die Macht bei den Verhandlungen innezuhaben. Bis dahin muss man aber als Freelancer erst einmal durchhalten.

Arbeitsrecht in der Türkei – Das ist anders

Wie in den vorherigen Beiträgen geschrieben, haben wir kürzlich in ein Start-Up in der Türkei investiert. Für mich absolutes Neuland. Ich weiß zwar grob, was die Unterschiede beispielsweise im Arbeitsrecht in der Türkei sind. Konkrete Informationen fehlten mir jedoch. Ein Kumpel hat mir nun einen Link zugeschickt.

Arbeitsverträge

So wie in der BRD auch, können Arbeitsverträge in der Türkei schriftlich oder mündlich abgeschlossen werden. Empfohlen wird – wie auch hierzulande – dies schriftlich zu tun, um bei Streitigkeiten einen Beweis zu haben.

Wenn man in der Türkei einen befristeten Arbeitsvertrag aufsetzen will, dann muss diese Befristung nur bei einem Arbeitsverhältnis von über einem Jahr schriftlich festgehalten werden. D.h. hat man eh vor nur jemanden für sechs Monate einstellen, muss dies nicht explizit im Vertrag erwähnt sein.

Probezeit

Die Probezeit in der Türkei ist eher arbeitnehmerfreundlich. So ist diese i.d.R. zwei, bei tariflichen Verträgen maximal vier Monate lang. In Deutschland sind es sechs Monate.

Arbeitszeit

Die maximale Arbeitszeit in der Türkei beträgt 45 Stunden in der Woche. Ich bezweifle jedoch, dass die meisten dies einhalten. Gesetzlich sind die Überstunden auf maxiamal 270 Stunden im Jahr gedeckelt. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Doch Obacht: Immer mehr Türken kennen ihre Rechte.

Wenn im Vertrag keine Vergütung der Überstunden geregelt ist, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnzuschläge von 50%.

Kündigung

Das Ende von Arbeitsverhältnissen in der Türkei ist dem in Deutschland ähnlich:

  • ordentliche und außerordentliche Kündigung
  • Fristablauf bei befristeten Verträgen
  • Tod
  • einvernehmliche Aufhebung

Die Kündigungsfristen bei unbefristeten Verträgen lauten wie folgt:

  • 0 – 6 Monate: 2 Wochen
  • 6 – 1,5 Jahre: 4 Wochen
  • 1,5 Jahre – 3 Jahre: 6 Wochen
  • Ab 3 Jahre: 8 Wochen

Bei Nichteinhaltung kann Schadenersatz eingefordert werden.

Kündigungsschutz

Ab einem Beschäftigungsverhältnis von >6 Monaten genießen Arbeitnehmer einen besonderen Kündigungsschutz. Voraussetzung: Der Betrieb beschäftigt über 30 Mitarbeiter.

Abfindung

In der Türkei kennt man seine Rechte bei der Abfindung. Man könnte schon sagen, dass es eine Art Job-Hopping gibt. Ab einem Jahr Betriebszugehörigt steht einem die Abfindung zu, so dass es vorkommen kann, dass Leute weniger gut arbeiten und auf die Abfindung (derzeit 1.200 €) aus sind. Das hängt natürlich auch ein wenig von der Joblage ab.

Urlaub

Die Urlaubsregelung im türkischen Arbeitsrecht ist eher arbeitgeberfreundlich. Natürlich im Vergleich zu Deutschland, wo man vom Start ab schon mindestens 24 Werktage zugesprochen bekommt.

In der Türkei beginnt man gesetzlich mit 14 Werktagen, dann 20 (>5 Jahre Betriebszugehörigkeit), dann 26 (ab 15 Jahren).

Mindestlohn

Einen Mindestlohn gibt es in der Türkei schon länger. Da könnte sich Deutschland ein Beispiel nehmen. Dieser liegt im Juni 2014 bei etwas mehr als 1.000 TL brutto (390 e) und 850 TL (290 €) netto. Wie ich immer wieder schreibe, sind diese 850 TL eher wie 850 € hinsichtlich ihrer Kaufkraft zu betrachten.

Fazit

Summa summarum kann man sagen, dass das Arbeitsrecht in der Türkei eher gut für Arbeitgeber ist.

Quelle: Dr. Gökce Uzar, Rechtsanwälting

Rendite ist manchmal auch Zins – Das Beispiel bettervest

Ein Grund, warum wir unseren eigenen Immobilienfond aufgesetzt haben und nicht bestehende nutzen ist, dass diese oft auch an ein Zinssystem gebunden sind. Entweder indem die versprochenen Renditen eher Zinsen sind oder in Zeiten, in denen keine Investition erfolgt, das Geld gegen Zinesen angelegt werden.

Damit wollen wir eigentlich nichts zu tun haben. Wer richtig islamisch investieren will, der muss ein Risiko des Verlustes in Kauf nehmen. Vielleicht ist das bei dem einen oder anderen Fond gewährleistet. Aber es werden auch Sicherheiten zugestanden, wie das folgende Beispiel zeigt. Da werden zwar Renditen kommuniziert. Effektiv handelt es sich jedoch um Zinsen.

Bettervest – Investieren in energieeffiziente Sanierung

Ich bin heute auf das Portal bettervest gestoßen. Hier können Unternehmen ein Crowdfunding für energieeffiziente Projekte wie z.B. den Austausch der Beleuchtung starten. Investoren investieren nicht nur und erhalten dafür eine „Rendite“, sie tun auch etwas für die Umwelt.

Ein solches Projekt sieht beispielsweise wie folgt aus:

  • Rendite: 10%
  • Laufzeit: sechs Jahre
  • CO2-Ersparnis: 7,6 Tonnen
  • Finanzierung: 16.700 €

Klingt auf den ersten Blick sehr interessant. Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe ich heute mit dem Geschäftsführer von bettervest telefoniert. Meine Fragen und Antworten.

Mein Gespräch mit dem Geschäftsführer

Frage: Wie läuft das genau mit der Investition ab?

Antwort: Sie bekommen jährlich einen Teil Ihrer Investition zurück plus die vertraglich geregelte Rendite aus den Ersparnissen.

F: Ist das nicht dann eher ein zinsgebundenes Darlehen?

A: Es ist ein Annuiätenmodell, aber wenn Sie so wollen ja.

F: Kann denn der Projektnehmer später sagen, dass Ersparnisse nicht zustande gekommen sind? D.h .gibt es ein Ausfallrisiko der Rendite?

A: Die Ersparnis-Kalkulation erfolgt nach einer Energieberatung. Der Projektnehmer sichert Ihnen die Rendite zu.

F: Wieso geht er dann nicht zur Hausbank? Da wären die Zinsrückzahlungen sicherlich geringer.

A: Ja, da haben Sie vermutlich Recht. Mit Crowdfunding hat man jedoch noch einen Marketingeffekt.

Für Projektnehmer unökonomisch

An dem Beispiel sieht man, dass Crowdfunding „gefragt“ ist. Offensichtlich sind Unternehmen, Sozialträger oder Vereine daran interessiert, gerade umweltförderliche Maßnahmen werbewirksam zu platzieren. Dabei könnten sie die Investments auch aus dem Cash Flow bezahlen. Wurde mir im Übrigen auch im obigen Gespräch bestätigt.

Wenn man eh kein Problem mit dem Zinssystem hat, dann lohnt sich auch eher der Gang zur Hausbank. Da ist die Rendite bzw. der Zins derzeit niedriger. Aus ökonomischer Betrachtungsweise ist diese Art der Projektfinanzierung daher m.E. unsinnig.